Artenkenntnisse

In der Biodiversitätsforschung, im Naturschutz oder in der Landschaftsplanung ist eine klare Zuordnung der Arten notwendig. In der Schweiz gibt es jedoch nicht mehr genug Experten für einheimische Arten, um den Bedarf an Fachkräften zu decken. Insbesondere fehlen Arten-Spezialistinnen für Pilze, Moose, Flechten und wirbellose Tiere und viele Arten-Experten sind im Pensionsalter.

Eine nationale Strategie, um die Bildung von Artenkenntnissen zu fördern
Im Mai 2022 wurde die nationale Strategie Bildung Artenkenntnisse lanciert, um dem Verlust an Fachwissen entgegenzuwirken und die Bildung auf allen Stufen zu fördern. Der Kern der Strategie ist die Vernetzung der zentralen Akteure und die koordinierte Umsetzung von Massnahmen. Eine Trägerschaft, die von der SCNAT Plattform Biologie eingesetzt wurde, nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein. Dabei orientiert sie sich am Kompetenzstufenmodell der Swiss Systematics Society. Nur wenn genug Nachwuchs sensibilisiert wird für die lebende Umwelt (z.B. durch Schulen, Naturhistorische Museen, Botanische und Zoologische Gärten, NGOs) und genug Bildungsangebote für die Einführung und Grundausbildung in verschiedene taxonomische Gruppen bestehen (z.B. durch Fachhochschulen, kantonale Universitäten, Eidgenössische Hochschulen und Institute, Pädagogische Hochschulen) gibt es langfristig genug interessierte Artenkenner, die sich durch speziell geeignete Kurse und Mentorate (z.B von Fachgesellschaften und Datenzentren) zur Spezialistin oder zum Experten weiterbilden.
Taxonomie als biologische Schlüsseldisziplin
Die Beschreibung und Klassifikation der uns umgebenden Vielfalt der Arten steht am Beginn der wissenschaftlichen Erforschung des Lebendigen. Als Carl von Linnée 1735 seine Schrift Systema Naturae veröffentlichte, löste er mit seinen Ideen für eine neuartige Ordnung der Natur eine Revolution aus. 290 Jahre später liefert die Taxonomie, die Lehre von der Erfassung, Beschreibung und Klassifikation der biologischen Vielfalt, wichtige Grundlagen für nahezu alle lebenswissenschaftlichen Forschungsbereiche.
Die biologische Vielfalt umfasst neben der Vielfalt der Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen) auch die genetische Vielfalt innerhalb jeder Art sowie die Vielfalt der Ökosysteme. Die Schweiz hat sich am Gipfel von Rio 1992 verpflichtet, die biologische Vielfalt zu erforschen und zu schützen. Dies kann nur mit guten taxonomischen Kenntnissen gewährleistet werden. Auch im Biomonitoring, bei der Kontrolle von invasiven Arten, in der Biotechnologie, in Bereichen der Tier- und Humanmedizin und in der Pharmakologie ist das Wissen von Taxonomen unverzichtbar. Die Taxonomie ist eine integrative Wissenschaft - sie wendet neben phänotypischen Artmerkmalen auch molekularbiologische Methoden ein.
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Dr. Claudia Rutte
SCNAT
Plattform Biologie
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