Forscher entwickeln Plattform zur Entdeckung neuer Antibiotika

Die Entwicklung neuer Antibiotika ist eine der dringendsten Herausforderungen in der Medizin. Forscher der Harvard University haben eine Plattform zur Herstellung neuer synthetischer Antibiotika entwickelt. Die Innovation könnte einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen resistente Erreger leisten.

Energie und Technologie (Symbolbild)
Bild: Christoph Ritz

Der Einsatz von Antibiotika ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. So selbstverständlich, dass ihr enormer Nutzen gerne verkannt wird. Dabei haben bakterielle Infektionen nur dank ihnen ihren Schrecken verloren. Die Anzahl wirklich guter Antibiotika-Klassen, die eine hohe Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen aufweisen, ist aber überschaubar. Da diese daher sehr häufig und teils unvorsichtig eingesetzt werden, treten immer häufiger resistente Mikroorganismen auf. Ein Problem ist dies insbesondere in Spitälern, wo auf engem Raum viele Menschen und Keime zusammen kommen und Antibiotika sehr oft eingesetzt werden, was die Resistenzentwicklung fördert - Stichwort "Spitalkeim".

Resistenzen lassen sich nicht nur mit komplett neuen Antibiotika-Klassen durchbrechen. Oftmals reicht eine Veränderung an der Struktur eines bereits bekannten Antibiotikums. So gibt es vom Antibiotikum Enthromycin, das bereits seit 1952 eingesetzt wird, viele Varianten, die zusammen die Klasse der Makrolide bilden. Forscher an der Harvard University haben nun einen Weg eröffnet, wie sich solche Varianten viel einfacher herstellen lassen. Sie haben eine Plattform entwickelt, mit der sich aus einzelnen chemischen Bausteinen neue Stoffe aus der Klasse der Makrolide zusammenstellen lassen. In einer in Nature publizierten Studie präsentieren sie die eindrückliche Bilanz ihrer Arbeit: in kurzer Zeit haben sie über 300 neue Moleküle synthetisiert. In anschliessenden Tests konnten sie zeigen, dass die Mehrheit davon tatsächlich antibakterielle Wirkung hat - teilweise auch gegen Erreger, die Resistenzen gegen bekannte Antibiotika aus der Klasse der Makroliden aufweisen. Die Plattform lässt sich zudem nicht nur für die Entdeckung neuer Stoffe nutzen, sonder auch gleich als Grundlage für ihre spätere Herstellung. Zudem funktioniert der Ansatz auch zur Synthese von Antibiotika aus anderen Klassen, wie die Forscher mit der Herstellung von Solithomycin aus der Klasse der Ketolide demonstrierten.

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