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Rebekka Wild – Von Protein- und anderen Strukturen

Prix Schläfli 2019 in Biologie

Ein schöner Frühlingstag an der ETH Hönggerberg, man setzt sich draussen ins Café zum Gespräch. Rebekka Wild wirkt überaus entspannt, so als hätte sie gerade nichts Wichtigeres zu tun als die Sonne zu geniessen. Dabei arbeitet sie eher 150 Prozent, lese auch am Abend noch Fachliteratur – und ja, hin und wieder auch mal ein Buch.

Rebekka Wild: Prix Schläfli Biologie 2019
Bild: Rossitza Irobalieva

Bei dieser bedacht sprechenden jungen Frau spürt man im Gespräch erst nach und nach die Leidenschaft und die Bestimmtheit heraus, mit der Rebekka Wild ihr Lebensziel verfolgt. Der Wunsch, Forscherin zu werden, sei schon zu Schulzeiten da gewesen. Bei den Proteinen sei sie dann ein wenig «nach dem Ausschlussprinzip» gelandet, nach diversen Praktika, die sie zum Beispiel auch in einen Spital geführt haben. Sie erklärt die anhaltende Faszination der Strukturbiologie damit, dass man da «wirklich etwas sehen kann», auf einer fundamentalen Ebene. Und dass sich aus den Strukturen Rückschlüsse ziehen lassen, wie biologische Prozesse im Detail ablaufen. Sie schliesst lächelnd: «Ich mag es einfach, Proteinstrukturen anzuschauen.»

Wild hat das Glück, dass es da noch vieles anzuschauen und aufzuklären gibt. In ihrer noch jungen Karriere hat sie schon einige inhaltliche Haken geschlagen. In ihrer mit dem Prix Schläfli ausgezeichneten Doktorarbeit an der Universität Genf zeigte sie – in enger Zusammenarbeit mit Pflanzenbiologinnen und -biologen –, wie die Phosphatmenge in Zellen reguliert wird. Konkret hat sie die Struktur der so genannten SPX- Domain aufgeklärt, die in verschiedenen Proteinen (Enzyme, Transport- oder Signalproteine) auftaucht und mit einem phosphatspezifischen Signalmolekül interagiert. Neuerdings beschäftigt sie sich an der ETH Zürich intensiv mit dem Enzym, das Zuckerketten an Proteinen anbringt. Also eine ganz andere Abteilung der grossen biochemischen Zellfabrik.

Und so machte sie sich mit einem ganz neuen biochemischen Feld vertraut, las und studierte, liess sich mitschwemmen von der Flut an Forschungsergebnissen. Man könne natürlich nicht jedes Paper lesen. Aber das löst bei ihr keine Beklemmung aus, kein Gefühl der Überforderung: «Ich erlebe das eher positiv: Wenn man weiss, dass man immer eine Information finden wird, die man braucht.»

Mehr als blossen Erfolg und Wettbewerb

Die Komplexität des Feldes wird immer grösser, ja, aber sie sei auch zu bewältigen, wobei Computer immer wichtiger würden. Die menschliche Forscherin werde es in Zukunft immer noch brauchen, ist sie überzeugt. In 30 Jahren sieht sie sich selbst eine «zufriedene, glückliche» Gruppe leiten. Da geht es also tatsächlich um mehr als blossen Erfolg und den Wettbewerb, immer mehr und schneller zu publizieren. Schön wäre auch, wenn das Geschlechterverhältnis in dieser Gruppe ausgeglichener wäre als man es heute nach wie vor erlebe, gerade auf den höheren Stufen der Karriereleiter. Sie wünschte sich, «dass es keine Rolle mehr spielt, ob man als Frau oder als Mann eine Forschungslaufbahn einschlägt». Sie weiss, dass die Strukturen dem noch im Weg stehen. «Die Politik sollte da vielleicht mehr machen», fordert Wild.

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